Mani Matter (1936–1972)

Was? Wechselausstellung zu Mani Matter
Wo? Landesmuseum Zürich
Wann?  27.05.–18.09.2011
Wie viel? Erwachsene 10 Franken (Weitere Informationen auf der offiziellen Homepage)
Homepage? http://www.manimatter.landesmuseum.ch
Es gibt mehrere Videos, welche einen Einblick in die Ausstellung geben, bspw. dieses hier vom Schweizer Fernsehen (in Hochdeutsch): Ausstellung über Mani Matter

Die Ausstellung führt die Besucherinnen und Besucher entlang der wichtigsten Stationen und Themen des Lebens von Mani Matter. In Inszenierungen, die die Inhalte einiger seiner berühmtesten Lieder aufnehmen, werden seine Biografie, seine berufliche Tätigkeit als Jurist, seine Erfolge als Liedermacher, sein poetisches Werk und politisches Engagement sowie sein viel zu früher Tod thematisiert.¹

Meine Erwartungen: Von der Ausstellung habe ich erwartet, dass ich mehr zu Mani Matter und seinen Liedern erfahre, als ich bereits vor dem Besuch der Ausstellung wusste. Und das war, unter uns gesagt, ziemlich wenig. Mein Wissen zu seinem Leben stammt hauptsächlich aus einem Dokumentarfilm (Warum syt dir so truurig?) und reichen demnach nicht sehr weit – das vermutete ich jedenfalls. Ausserdem erwartete ich, dass die Lieder von Mani Matter in die Ausstellung integriert würden.

Erster Eindruck: Leider wurden wir sehr unfreundlich an der Hauptkasse behandelt, was keinen guten ersten Eindruck macht. Von der Hauptkasse muss man durch das Museum hindurchgehen, bis man zur Mani-Matter-Rezeption kommt. Dort erhält man eine Nummer und muss dann auf das iPad, welches die Ausstellung begleitet, je nachdem kurz oder lange warten. Wir haben ca. 15 Minuten gewartet. Leider wird an der vorderen Kasse nicht sehr gut kommuniziert, wie genau man in die Ausstellung kommt und in welcher Reihenfolge man was organisieren muss (warten, Nummer holen, warten, iPad holen etc.) Die Leidtragenden sind dann die Besucher und die Damen an der Rezeption.

Das Museum

Das Landesmuseum Zürich ist sehr nahe am Hauptbahnhof Zürich (Zürich HB), es ist also kein Problem, die Ausstellung mit dem öffentlichen Verkehr zu besuchen.
Taschen, welche die grösse einer kleinen Handtasche überschreiten, müssen in einem separaten Gebäude deponiert werden – es stehen genügend Schliessfächer zur Verfügung. Die Dauerausstellung des Landesmuseum habe ich an diesem Tag nicht besucht, dazu kann ich also nicht wirklich etwas sagen.

Ausstellung

Die Ausstellung ist in drei Räumen konzipiert, wobei der erste Raum den Ein- und Ausgang (Lift) beinhaltet. Man erhält ein iPad, welches die Ausstellung unterstützen soll. Die Themen (Beruf, Liedermacher, Tod etc.) sind in 11 Kategorien unterteilt.

+ Was mir sofort positiv aufgefallen ist, ist die liebevolle Gestaltung der Ausstellung – so werden bspw. einige Lieder direkt umgesetzt: Es gibt einen Coiffeurstuhl, in welchen man sich setzen darf, zum Lied „Bim Coiffeur“ oder zwei Bänke, welche zum Lied „ds Lied vo de Bahnhöf“ passen. Im letzten Raum ist sogar ein ganzes Zelt aufgebaut, welches das Lied „Arabisch“ aufgreift.
+ Auf dem iPad sind sehr viele Lieder von Mani Matter enthalten (vor allem in der letzten Kategorie (11) kann man sich durch zwei CDs durchhören, wenn man möchte).
+ Es gibt für Kinder und Jugendliche eine spezielle Führung auf dem iPad.
+ Kinder haben im letzten Raum (mit dem Zelt) die Möglichkeit, zu malen und (Bilder-)Bücher zu betrachten.

= In der Kinderführung fehlt – soweit ich gesehen habe – die Thematik um den Tod von Mani Matter. Das kann positiv, aber auch negativ gewertet werden.

– Der Einsatz der Multimedia-Mittel hat mich keineswegs überzeugt. Das iPad ist zwar benutzerfreundlich und lässt sich leicht bedienen, ich finde jedoch, dass es die Ausstellung nicht wirklich aufwertet. Vielmehr ersetzt es die „Ausstellung“, welche aus einigen Vitrinen und der oben genannten liebevollen Gestaltung besteht. Man könnte sich also getrost in eine gemütliche Ecke verziehen und dann durch die ganze Ausstellung auf dem iPad durchblättern – es ist darauf nämlich alles enthalten, was sonst auch ausgestellt wird. Ich finde den Einsatz der iPads – bis auf die Videos und die dadurch gewonnene Unabhängigkeit vom Raum – absolut überflüssig und sie dienen wahrscheinlich nur als Publikumsmagnet.
Würden die Materialien für den gleichen Preis wie ein Eintrittsticket käuflich gemacht, könnte man sich die Ausstellung auch einfach runterladen und dann zu Hause gemütlich im Sessel anschauen und hören.
Mein iPad ist dann auch noch „abgestürzt“ bzw. ich hätte noch eine E-Mail versenden können, wenn ich gewollt hätte – zurück auf die Startseite bin ich aber von selbst nicht mehr gekommen. (Was in anderen Worten heisst: Zurück in Raum 1, Lift nehmen, zur Rezeption, das iPad neu aufstarten lassen, wieder in den Lift und zurück in die Ausstellung.)
Achtung: In der Ausstellung kann es sehr heiss werden – es ist also nichts für Leute, welche keine Hitze vertragen! Die Räume sind recht klein und befinden sich im Dachstock, eine Klimaanlage gibt es nicht und die Fenster dürfen nicht geöffnet werden. Mir wurde versichert, dass an jenem Tag, als ich die Ausstellung besucht habe, die Hitze vergleichsweise noch erträglich gewesen sei.
– Leider fehlte mir persönlich der Rote Faden in der Ausstellung, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass auf dem iPad viele Materialien vorhanden sind, die nach Dateiform geordnet sind – Audios, Videos, Scans der Vitrineninhalte – und keine wirkliche Reihenfolge (ausser den Kategorien) vorgegeben ist. Ausserdem hätte ich mir gewünscht, dass die Lieder mehr in die Ausstellung eingebunden worden wären: So hat man einfach z.B. das Thema Politik und dann eine Playlist mit mehreren politischen Chansons. Da es so heiss war und – natürlicherweise – ein rechtes Gewusel herrschte, hatte ich aber nicht wirklich grossen Spass beim Durchhören der Lieder.

Personal

+ Den beiden Damen an der Mani-Matter-Rezeption kann ich nur ein Kränzchen binden: Sie haben viel Geduld und Verständnis gezeigt – auch wenn viele Besucher schon leicht genervt und/oder gereizt waren. Sie haben mir auch kompetent bei meinem iPad-Problem geholfen und machten auch sonst einen sehr sympathischen Eindruck.

– Die Dame an der Hauptkasse zeigte sich hingegen sehr misepeterisch und unfreundlich. Auch gegenüber Nachfragen reagierte sie mit Unverständnis, so à la: Warum fragen Menschen eigentlich immer dieselben, dummen Fragen? Ist doch klar, dass man die kleine Tasche mitnehmen darf etc. Ich arbeite selbst ab und zu in verschiedenen Museen und habe auch schon mehrmals den Weg zum WC erklären müssen – denn für die Besucher ist es ja nicht immer so klar. Meine Güte! Ein wenig Freundlichkeit und Verständnis wäre doch nicht so schwierig!
– Ich hatte den Eindruck, dass zwischen Mani-Matter und Landesmuseum ein kleiner interner Kampf herrscht – Informationen fliessen nicht so, wie sie sollten usw.

Toiletten

Mein erster Eindruck von den Toiletten war in etwa: Ach du meine Güte! Der zweite Eindruck war nicht mehr ganz so schlimm, aber ich habe also schon schönere Toiletten gesehen: Sie sind zwar nicht dreckig, aber alt und wirken dadurch nicht sehr einladend. Es gibt einen Wickeltisch.

Cafeteria

Das Landesmuseum verfügt über eine eigene Cafeteria im Innenhof. Vom Preis her sind die Gerichte erschwinglich (Pasta: 12 Franken, Pizza: 9 Franken, verschiedene Sandwich: 4 bis 6 Franken, Salat: 5 Franken) und ich finde, die Portion stimmt auch. Die Qualität des Essens ist einer Cafeteria, welche die Gerichte nur noch aufwärmen muss, angemessen. Wie so oft ist die Cafeteria mit nur zwei Personen unterbesetzt, die zwar freundlich und geduldig, leider aber etwas überfordert sind. (Was nicht als negative Kritik an den beiden Damen gemeint ist!) Die Auswahl reicht von kalten bis warmen Speisen und ist in Ordnung.

Museumsshop

Im Gebäude, wo sich auch die Schliessfächer befinden, gibt es einen Museumsshop, welcher allgemeine Artikel zum Landesmuseum sowie Artikel zu den laufenden Sonderausstellungen (Mani Matter und WWF) führt. Es gibt natürlich auch viel Touristen-Ramsch und einige Artikel aus anderen schweizer Museen (z.B. aus dem Ballenberg). Postkarten kosten um die 2 Franken. Besonders originell sind die meisten Artikel nicht, aber das ist man sich aus den meisten Museumsshops bereits gewohnt. Die Dame, welche uns bedient hat, war sehr freundlich.

Fazit: Leider wurden meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllt und ich muss zugeben, dass ich wirklich total enttäuscht von der Ausstellung bin. Wahnsinnig viel Neues zu Mani Matter habe ich auch nicht gelernt und wie bereits angedeutet sind die iPads nicht wirklich sinnvoll eingesetzt bzw. hätte ich die Ausstellung auch zu Hause auf dem Sofa (im kühlen Haus) erleben können.
Diese harten Worte tun mir für die Organisatoren der Ausstellung eigentlich leid, da die Räume wirklich liebevoll gestaltet wurden, aber ich bin trotzdem einfach nur enttäuscht von der Ausstellung. Ich kann die Ausstellung leider nicht weiterempfehlen. Wer sich wirklich für Mani Matter interessiert, kauft sich besser einige gute Bücher zu ihm und schaut sich den Dok-Film an und – vor allen Dingen – hört das nächste Mal, wenn er seine Lieder hört, ganz besonders gut hin!

    

¹ Quelle: Offizielle Medienmitteilung, http://www.landesmuseen.ch/ci/01_zuerich/
07_presse/2011/05_25_mani_matter/pdf/d/01_medienmitteilung_mani-matter.pdf (eingesehen am 8. Juli 2011)
Quelle des Bildes: http://www.landesmuseen.ch/d/ueberuns/presse/index.php?we_objectID=5981 

3 Gedanken zu “Mani Matter (1936–1972)

  1. Das klingt wirklich schade. Denn das Landesmuseum hat sicher die nötigen Mittel, eine Ausstellung gut zu gestalten, aber wenn man die nicht nutzt, hilft das leider nicht.
    Mani Matter kenne ich gar nicht – da muss ich wohl gleich mal googeln – aber wenn man nicht einmal in der Ausstellung ausreichende Informationen bekommt, ist das natürlich auch schade.

    1. Ausreichend sind die Informationen schon. Sie sind einfach – meiner Meinung nach – nicht viel ausführlicher, als das, was man im erwähnten Dokumentarfilm (welchen man sich nach Belieben immer wieder im kühlen Wohnzimmer anschauen kann) erfährt.

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