Reeves, Hubert – Wo ist das Weltall zu Ende?

Bei den Worten Universum und Astrophysik breitet sich in meiner Magengegend ein unangenehmes Gefühl aus – wie viele Physikstunden habe damit verbracht, verwirrt in die Welt hinauszublicken und nichts zu verstehen? Dabei ist jegliche Faszination für unsere Erde und das sie umschliessende Universum abhanden gekommen. In seinem Buch versucht Hubert Reeves dem (Astro-)Physik-Normalverständigen eben jene Faszination und das Verständnis von unserem Kosmos zu vermitteln. Im Buch stellt Reeves Enkelin die Fragen – und er hält die passenden Antworten dazu bereit. Ein Dialog zwischen Sachunkundigem und Spezialist.

Dieses Buch habe ich von Blogg dein Buch und vom C.H. Beck-Verlag  zur Rezension zur Verfügung gestellt bekommen. Ich interessiere mich eigentlich nicht unbedingt für Astrophysik, aber der Untertitel („Das Universum meinen Enkeln erklärt“) hat mir durchaus Mut und auch Lust auf das Buch gemacht.

Bei der Lektüre des Buches habe ich immer wieder an die tollen Chemie- und Biologiestunden in der Schule zuerückgedacht. Aber auch der Physikunterricht wurde in ein völlig neues Licht gestellt: Auf einmal verstehe ich Dinge, die mir vorher unklar waren und ich kann die verschiedenen Naturwissenschaften miteinander verbinden: Physik geht über in Chemie, Chemie in Biochemie, Biochemie in Biologie. So entsteht ein grösseres Bild des Ganzen und man erkennt das Wunder unseres Lebens, unserer Existenz und der Existenz der Erde wie wir sie kennen. Mit seinen (manchmal nahezu bizarr kulinarischen) Vergleichen holt Hubert Reeves das Universum ins Lesezimmer. Dabei betont er immer wieder deren Zulänglichkeit und Unvollkommenheit – was dem Verständnis jedoch keinen Abbruch tut. Und doch – obwohl alles sehr anschaulich erklärt ist – beginnt bald der Kopf zu schwirren, stellt man sich die Unendlichkeit (?) des Weltalls vor. Auch werde ich mir bestimmt nicht alles merken können. Leider.

Um Antworten oder Textpassagen nachzuschlagen, fehlt ein Glossar im Buch leider. Dafür sind die Kapitelüberschriften relativ repräsentativ für deren Inhalt. Ein Glossar wäre trotzdem nützlich gewesen. Die Sternkarte, welche vorne und hinten im Buch abgedruckt ist, war überdies sehr hilfreich – wenn von Sternen gesprochen wird, kann man beim Lesen kurz nach vorne schielen.

Einige Fragen bleiben auch unbeantwortet. Das ist schön – denn es zeigt, dass auch Astrophysiker ihre Wissensgrenzen haben. Es wird einem klar, wie klein wir doch eigentlich sind. Und wie anmassend oder grössenwahnsinnig, wenn wir wissen wollen, wie das Universum funktioniert. Denn, wie es Reeves selbst so treffen beschreibt: „Wenn wir nachdenken, dann gehen wir von dem aus, was uns vertraut ist.“¹ Und: „Es ist durchaus möglich, dass unsere Vorstellung vom Leben zu begrenzt ist.“²

Was mich ausserdem beeindruckt hat, ist, dass Reeves einen Gott nicht direkt ausschliesst. In seinen Beschreibungen des Lebens und des Kosmos eröffnet sich eine Faszination und Wertschätzung dafür – welche auch Raum für eine übernatürliche Kraft lässt.

Zum Schluss des Buches kehren wir von den Weiten des Universums zurück auf unsere Erde, die Reeves zunehmend durch die ökologische Krise bedroht sieht. Er erhebt den grossväterlichen Zeigefinger und ermahnt uns, bei all den grossen und grossartigen Gedanken über das und zum Universum unsere Kleinigkeit und unser kleines Wunder, die Erde, nicht zu vergessen.

Das Buch ist liebevoll gestaltet: Das Cover ist schlicht und doch aussagekräftig und die Gestaltung im Buch übersichtlich.

Fakten: 
Autor: Hubert Reeves
Übersetzung aus dem Französischen: Annabel Zettel
Verlag: C. H. Beck (Homepage)
Jahr: 2012
Genre: Sachbuch
Das Buch direkt beim Verlag bestellen? Hier lang.
Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom C. H. Beck-Verlag und Blogg dein Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt.
Ich gebe dem Buch 5 von 5 Sternen.

¹Das Zitat ist zu finden auf Seite 114 des Buches.
²Das Zitat ist zu finden auf Seite 69 des Buches.

3 Gedanken zu “Reeves, Hubert – Wo ist das Weltall zu Ende?

  1. „Auf einmal verstehe ich Dinge, die mir vorher unklar waren und ich kann die verschiedenen Naturwissenschaften miteinander verbinden: Physik geht über in Chemie, Chemie in Biochemie, Biochemie in Biologie.“
    Gratuliere zu dieser Erkenntnis!😀 Ernsthaft, sowas finde ich immer toll und hatte solche Punkte immer wieder in Schule und Studium. Das ist so faszinierend.❤

    1. Hihi🙂 Ich hab mich wirklich gefreut. Und ja, ich hab in meinem Studium auch immer mal wieder diesen „Aha-Moment“. Das motiviert.

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