Loeb, Arno – Der Neuschwanstein Code

Auf der Seite von BloggdeinBuch hat mich das Buch „Der Neuschwanstein Code“ von Arno Loeb sofort angesprochen. Dies einerseits, weil Neuschwanstein im Titel vorkam und auf dem Cover abgebildet war (und ich mich gerne für Schlösser, vor allem, wenn es auch noch so schöne sind, begeistern lasse) und andererseits, weil ich das Cover und die Aufmachung im Allgemeinen als sehr gelungen empfand. Das Format des Buches fand ich sehr angenehm – es lag gut in der Hand.

Wally, eine Amerikanerin, welche in Neuschwanstein Besucher durch das Schloss führt, stösst bei einer ihrer Führungen auf zwei Tote. Beide wurden offensichtlich ermordet. Kurzerhand wird Neuschwanstein für Besucher gesperrt und die Ermittlungen im Mordfall Neuschwanstein werden aufgenommen. Bald schon sieht Wally sich von den ‚potentiellen‘ Mördern bedroht, als kurz auf den Mord bei ihr eingebrochen wird. Die Geschichte entwickelt sich zu einem grossen Verschwörungsthriller, als weitere Tote aufgefunden werden und klar wird, dass hier übergeordnete Machtstrukturen Einfluss auf das Geschehen nehmen.

Die Grundstory des Buches hat mich von Beginn an gepackt – ich war voll dabei. Man wird in ein Gewühl unzähliger Charaktere und Handlungsstränge geworfen. Das gefällt mir persönlich sehr gut, ich habe dann jeweils die Möglichkeit selbst Ermittler zu spielen. Schade finde ich jedoch, dass der Spannungsbogen nicht über die fast 400 Seiten aufrecht erhalten werden konnte. Der Mittelteil weist für mich deutliche Längen auf, in denen man auch den Bezug zu den ursprünglichen Ermittlern von der Polizei und der Betroffenen Wally völlig wegkommt, manchmal springt man nochmals zurück in deren Perspektiven, was jedoch meist recht inkohärent wirkt. Immer wieder werden auch irgendwelche Szenen eingeschoben, welche für mich völlig willkürlich wirkten. Das Ende kam – nach dem für meinen Geschmack zu langen Mittelteil – leider zu kurz und zu ‚überraschend‘.

Das Lesen erschwerend kam hinzu, dass das Buch anscheinend nicht vernünftig lektoriert wurde. Es gibt viel zu viele kleine Fehler wie falsche Buchstaben oder Satzzeichen, die entweder zu viel oder zu wenig sind, es gibt aber leider auch grössere und weitaus schwerwiegendere logische Fehler, welche dem aufmerksamen Leser die Lust am Lesen nehmen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der noch junge Verlag etwas unerfahren in der Lektorauswahl ist – jedenfalls ist auf der offiziellen Homepage des Verlages folgendes über den Lektoren geschrieben:

Wenn ihr Fehler in unseren Büchern findet, dann bitte alle Drohbriefe direkt an ihn [den Lektoren] senden. Er lebt seit letzter Woche anonym im Untergrund.

Ob dies eine humorvolle Art den Lektoren vorzustellen sein soll oder eine relativ diplomatisch ausgedrückte Schelte an eben jenen kann ich nicht beurteilen. Ich würde nach der Lektüre des Buches zu letzterem tendieren.

Von diesen Fehlern abgesehen, beglückte  das Buch mit dem Setting  und den intertextuellen und historischen Bezügen. Inwiefern letztere jeweils korrekt oder authentisch sind, weiss ich leider nicht, mir scheint aber, dass vernünftig recherchiert wurde. Natürlich gibt es auch viele Passagen, welche an Science Fiction oder Verschwörungsthriller (wie bspw. Dan Browns Bücher) angelehnt sind, was mich aber weiter nicht gross gestört hat. Ich hatte zwar eher einen ‚klassischen‘ Krimi erwartet, in dem man die Ermittler begleitet und versucht, vor ihnen auf die Lösung zu kommen, war von der verschwörungstheoriegeprägten Geschichte nicht allzu enttäuscht.😉 Wie ich bereits zu Beginn gesagt habe, konnte mich Neuschwanstein als Handlungsort absolut begeistern, mit seinen vielen Winkeln, Geheimgängen und unterirdischen Grotten. Für Schlossfans gibt das Buch also einiges her.

Vom Schreibstil her erlebte ich das Buch eigentlich relativ angenehm. Für die Art von Geschichte stimmte der eher kühle Schreibstil sehr gut. Für zartbesaitete ist der Roman vielleicht eher nichts – ab und zu wirds schon etwas blutiger – wer jedoch Simon Beckett verträgt, verträgt den Neuschwanstein Code ohne Probleme.🙂 Was die Charakterzeichnung betrifft, war die Geschichte nicht schlecht, jedoch auch nicht unbedingt das Höchste aller Dinge. Obwohl die meisten Charaktere einige Eigenschaften zugewiesen bekommen, bleiben sie doch eher flach.

Im Gesamten hat mir das Buch trotz vieler Fehler und einiger Abzüge bezüglich der Kohärenz und des Spannungsbogens doch gut gefallen, was wohl an meiner Begeisterung für Schlösser liegt. Ich vergebe dem Buch darum 3 von 5 Sternen. Auch die Grundstory war sehr interessant und ich kann mir vorstellen, dass der Autor sich durchaus noch ‚verbessern‘ kann – und mit einem vernünftigen Lektorat dürfte ein Erfolg weiterer Bücher des Autoren nicht auszuschliessen sein. Ich bin jedenfalls gespannt, was Arno Loeb in Zukunft noch so schreibt, sollte er weitere Bücher in Planung haben.

Fakten: 
Autor: Arno Loeb
Verlag: Unsichtbar Verlag (Homepage)
Jahr: 2012
Seiten: 397 Seiten
ISBN: 978 3 942920 09 4
Genre: Krimi, Thriller, Verschwörungsthriller
Das Buch direkt beim Verlag bestellen? Hier lang.
Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Unsichtbar Verlag und BloggdeinBuch zur Rezension zur Verfügung gestellt.
Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen.

Ein Gedanke zu “Loeb, Arno – Der Neuschwanstein Code

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s