Mit Dvorak in der Diskothek

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Spätestens seit der ersten Harry-Potter-Verfilmung haben Blasmusik und insbesondere deren Horneinsätze in meinen Ohren etwas Episches und besonders Feierliches an sich. Sei es in der impressionistischen Art eben jener Filmusik, in der tragenden und erhebenden Funktion der Hautbois in der Renaissance (wer sieht da nicht Tanzsäle vor sich, gefüllt mit Menschen, die erhobenen Hauptes und gestreckten Rückens tänzerisch schreiten) oder in den subtilen Anfangstönen des Horns in Pavane pour une infante défunte (Video) des allzeit geschätzten Ravels – Holz wie auch Blech schaffen es immer wieder, mich zu faszinieren, zum genauen Hinhören zu verleiten und – dies leider viel zu oft – in Amateurensembles zur Weissglut zu treiben. Für meine Ohren gibt es kaum etwas Schlimmeres als schräge Blasmusik – dies wohl mitunter ein Grund, weshalb ich klassische Blasmusik lange aus meinem musikalischen Fundus ausgeschlossen habe.

Dank der genialen Radiosendung des SRF2 (zum Zeitpunkt meiner Entdeckung der Sendung hiess das Radio noch DRS2) namens „Diskothek“ (früher: „Diskothek im Zwei“) konnte ich mich jedoch vor einigen Wochen besonders für ein Werk der Blasmusik begeistern: Dvoraks Bläserserenade. Dazu aber später mehr, erst möchte ich euch meine neue Lieblingsradiosendung vorstellen.

Die Radiosendung Diskothek

In der Sendung „Diskothek“ diskutieren meist zwei Musiker oder Musikwissenschaftler zusammen mit einer Moderatorin oder einem Moderator ein Werk der klassischen Musik. In die Diskussion gestartet wird mit fünf Versionen eines Ausschnitts (Satzes, Stücks, je nach Form und Länge des Werkes), aus welchen dann drei ausgesucht werden müssen, mit denen man weiterfahren und sich mehr daraus anhören möchte. Zum Schluss stehen zwei bevorzugte Versionen – eine davon wird in ganzer Länge oder in einem längeren Ausschnitt gespielt. Die Krux an der ganzen Sache: Nur der Moderator oder die Moderatorin wissen, welche Version von welchem Orchester gespielt wird und die Experten geben ihre Urteile somit (relativ) unbeeinflusst ab. Und das fasziniert mich zutiefst. Das Schöne daran ist auch, dass man entweder genauso ‚ahnungslos‘ zuhören oder sich vorher die Versionenliste auf der Homepage von SRF2 herunterladen kann.

CD-Empfehlung: Bläserensemble Sabine Meyer

Nun kam es also so, dass in einer dieser Sendungen Dvoraks Bläserserenade diskutiert wurde und mich dieses Werk absolut für sich gewinnen konnte. Ich weiss nicht genau, was die Faszination dafür ausmacht, aber ich mag die Balance zwischen Blech und Holzbläsern und die verschiedenen Tempi und Stimmungslagen. Am besten gefallen hat mir die Version des Bläserensembles Sabine Meyer, welches es sogar in die letzte Runde der Kritikerauswahl geschafft hat (dann jedoch nicht in voller Länge gespielt wurde). Auf der CD des Bläserensembles befinden sich nebst der Bläserserenade Dvoraks einige Stücke von Richard Strauss, was den Tonträger – für mich zumindest – auch zum perfekten Begleiter über die Festtage macht – denn, wie bereits erwähnt: was gäbe es feierlicheres als Bläser?

Wer nun einmal in die Sendung Diskothek reinhören möchte, kann das auf der Seite des SRF tun; dort findet ihr auch die Sendung zu Dvoraks Bläsererenade und die Liste der Aufnahmen. Ich kann die CD des Bläserensembles Sabine Meyer sehr empfehlen – ich habe mir sie in der letzten Zeit sehr oft angehört und bin noch immer sehr zufrieden mit meinem Kauf.🙂 Ich wünsche euch eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch! 

Titelbild: Euphonium Detail II von dailyinvention auf Flickr. Some rights reserved: CC BY 2.0.

3 Gedanken zu “Mit Dvorak in der Diskothek

  1. Sehr hübsch, beim Titel angefangen. (: Klingt nach einem interessanten Sendungskonzept, auch wenn ich mich noch nicht viel mit ‚klassischer Musik‘ auseinandergesetzt habe, vielleicht höre ich also trotzdem mal rein.

    1. Zugegebenermassen habe ich auch schon Stimmen zur Sendung vernommen, die sagten, dass die Experten im Studio „Dinge hörten, die man gar nicht hören kann“ – ich hoffe, es kommt nicht allzu arrogant rüber, wenn ich von mir selbst sage, dass ich der Diskussion meist relativ gut folgen kann…aber ich habe mich im Gymnasium ja auch auf Musik spezialisiert und sehe es als persönliche Herausforderung, gerade bei klassischer Musik, besonders genau hinzuhören.🙂

      1. Na klar, da hast du schon mal eine im Vornherein intensivere Beschäftigung mit klassischer Musik. Ich müsste mir mal aneignen/ lernen, die (wieder; in der Schule kam das hin und wieder vor, war aber auch nur ein Aspekt von mehreren, und das ist auch wieder ein Weilchen (4 Jahre) her) aktiver zu hören. :]

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