Eine Reise durch die schweizer Filmszene

Bild z.V.g. (Solothurner Filmtage)
z.V.g. (Solothurner Filmtage)

Das Landhaus in Solothurn wird durch viele schnatternde Menschen gefüllt – die Schlange stehen, die Toilette suchen oder direkt in den grossen Saal marschieren, in dem eine grosse Leinwand aufgespannt ist – dem ganzen Gewimmel liegt ein Ereignis zugrunde, welches Solothurn seit bald 50 Jahren begleitet und als Stadt aufwertet: Die Solothurner Filmtage finden statt.

Die Tageskarten sind am Samstag, dem 25. Januar 2014, längst ausverkauft, als gegen 12 Uhr einige Menschen versuchen, noch eine zu ergattern. Gleichzeitig versuchen die Letzten, ihre überschüssigen Tageskarten unter der Hand zu verkaufen – bei diesen Rahmenbedingungen ein Leichtes. Die stolzen Besitzer einer gültigen Eintrittskarte begeben sich erhobenen Hauptes in den Vorführungssaal, wo sie ihren Platz frei wählen können – wie beim Tageskartenverkauft heisst es auch bei der Sitzwahl „first come, first serve“.

Die sieben verschiedenen Locations, an denen das Festival vornehmlich stattfindet, bieten in der Regel jedoch genügend Platz für die Gäste und ermöglichen somit unvergessliche Filmmomente – z.B. wenn die Moderation nach dem Film zum Gespräch mit Filmemacher(n) und/oder Hauptdarstellern lädt oder man beim Hinausgehen dem ‚Protagonisten‘ eines beeindruckenden Dokumentarfilms begegnet.

Filmstill aus "Der Dönerkönig". Z.V.g. (Solothurner Filmtage)
Filmstill aus „Der Dönerkönig“. Z.V.g. (Solothurner Filmtage)

Gerade die Dokumentarfilme sind – für mich jedenfalls – immer sehr berührend und interessant, da in Solothurn fast ausschliesslich schweizer Dokumentationsfilmproduktionen gezeigt werden – Filme, in denen Mundart gesprochen wird und die eigene Umgebung, das eigene Land, die eigenen Leute gezeigt werden, vermögen den Zuschauer immer direkt zu involvieren. Sie bieten die Möglichkeit, mehr über die Menschen im eigenen Land zu lernen – wie beispielsweise in der Dokumentation „Der Dönerkönig“, die die Zuschauer in eine Fabrik für Dönerfleisch mitnimmt, in der kein einziger gebürtiger Schweizer arbeitet und der einzige Albaner im Geschäft Türkisch (und einen kurdischen Dialekt), anstelle von Deutsch, gelernt hat.

Natürlich werden auch fiktive Filme gezeigt – viele zum ersten Mal. Die Solothurner Filmtage bieten eine bunte Mischung aus Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilmen. Manche sind sehr experimentell, andere fürs Fernsehen produziert oder fürs Kino. Wer jetzt auch Lust bekommen hat, sich nicht nur interessante Filme, sondern auch eine schöne Stadt anzusehen, können noch bis zum 30. Januar 2014 die 49. Solothurner Filmtage besuchen.

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Shakespeare in Editions

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„Der grosse Meister“, „der Schwan von Avon“ oder auch „Anonymous“ – der Autor von Theaterstücken wie Romeo und Julia, Hamlet oder Ein Sommernachtstraum kennt viele Namen. Die meisten Theaterstücke Shakespeares sind im „First Folio“ überliefert – der ersten gedruckten Sammlung seiner Theaterstücke. In der kritischen Literatur zu Shakespeare werden jedoch immer wieder andere Versionen zitiert – spätere, teilweise unvollständige Drucke; Drucke, die weitere Stücke enthalten; oder Quellen, deren Autorenschaft bei Shakespeare vermutet wird.

Im Vergleich zu Shakespeares Zeit stehen uns heute viel mehr verschiedene Shakespeare-Ausgaben zur Verfügung – günstige Massenprodukte stehen teuren Sammelausgaben gegenüber, sorgfältig kritisch edierte und zweisprachige Ausgaben verdoppeln gut und gerne die Seitenzahl des eigentlichen Theaterstücks, usw. Bei der ganzen Masse an verschiedenen Editionen ist es natürlich nicht ganz einfach, die richtige für sich zu finden. Darum sind unten einige Editionen aufgelistet und miteinander verglichen.

Die Günstigen

Das Internet macht es möglich: Klassiker der Weltliteratur sind heute für jedermann frei zugänglich. Das Copyright für Shakespeares Texte ist mit seinem Tod vor 398 Jahren längstens erloschen. Das deutsche Projekt Gutenberg bietet Shakespeare in unterschiedlichen deutschen Übersetzungen, das englische Project Gutenberg bietet sie in englischer Sprache – alles kostenlos.

Die günstigsten gedruckten englischen Shakespeare-Ausgaben, die mir bisher untergekommen sind, sind die Dover Thrift Editions, herausgegeben von der Dover Publications Inc in New York. Trotz des kleinen Preises von 3 bis 4 Franken warten diese Editionen mit erklärenden Fussnoten auf. Die Bände sind sehr dünn und leicht, lassen sich also problemlos auf Reisen mitnehmen. Die Dover Thrift Editions eignen sich gut als Alternative zu den digitalen Versionen, für alle, die lieber einen gedruckten Text in der Hand halten.

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Die Unkomplizierten

Klar, Shakespeare in Originalsprache zu lesen, ist nicht gerade das einfachste, das man sich vorstellen kann. Aber keine Sorge, auch dafür gibt es dich richtigen Ausgaben. Wer sich in seinem Englisch im Allgemeinen nicht so sicher ist, sollte auf eine zweisprachige Ausgabe zurückgreifen. Die besten in diesem Segment, die ich kenne, sind die orangen Reclamhefte. Preislich liegen sie im Segment zwischen 5 bis 25 Franken, je nach Theaterstück (und folglich der Menge an Kommentaren). Sie zeigen auf der linken Seite den englischen Originaltext, auf der rechten Seite ist eine Übersetzung ins Deutsche abgedruckt. Gleich sind auch die zweisprachigen Ausgaben aus dem dtv-Verlag aufgebaut; diese kann ich aber nicht empfehlen, da ich in meiner Ausgabe von Viel Lärm um Nichts/Much Ado About Nothing im englischen Text viele (Druck-)Fehler gefunden habe. Beide, Reclam und dtv bieten einen Anmerkungsapparat am Ende des Buches und eine Bibliographie weiterführender Literatur.

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Wer sich im modernen Englisch sicher fühlt, mit dem frühmodernen Englisch Shakespeares aber nicht ganz zurecht kommt, sollte sich die No Fear Shakespeare-Ausgaben von Sparknotes näher ansehen. „The Play Plus A Translation Anyone Can Understand“ – dieser Untertitel erklährt wohl alles. Die No Fear-Shakespeare-Ausgaben stellen den Originaltext Shakespeares, ähnlich einer zweisprachigen Ausgabe, einer Übertragung ins moderne Englisch des Textes gegenüber. Die Stücke sind sowohl online (kostenlos) verfügbar als auch in gedruckter Form. Gedruckt kosten die Stücke um die 10 Franken.

Die Akademischen

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Für alle Shakespearefaszinierten gibt es ausführlich kommentierte Ausgaben, wie etwa diejenigen von Arden Shakespeare oder aus den Oxford World’s Classics. Diese Editionen eignen sich meistens eher schlecht, um damit zu reisen, da sie gut und gerne um die 200 Seiten umfassen, da vor dem Stück eine ausführliche Introduction, nach dem Stück ausführliche Anmerkungen und im Stück ausführliche Fussnoten und Quellenkommentare steht.  Bei den Arden-Ausgaben ist das in einem grösseren Ausmass als bei den Oxford-Ausgaben der Fall; ich persönlich mag die Ardens aber gerade darum sehr gerne. Und niemand zwingt einen dazu, alle Kommentare und das ganze „Drumherum“ auch zu lesen. Die Arden Shakespeares liegen preislich zwischen 15 und 25 Franken – was meiner Meinung nach sehr günstig ist, wenn man betrachtet, was man alles geliefert bekommt. Antiquarisch gibt es die erste und zweite Serie der Ardens übrigens sehr günstig; die aktuellsten Ausgaben sind moment diejenigen der dritten Serie.

Viele mehr

Natürlich gibt es unzählige weitere Shakespeare-Ausgaben. Wer gerne alles beieinander hat, kann sich natürlich auch eine Sammelausgabe (Complete Works) besorgen – bedenkt einfach, dass solche Gesamtausgaben meist eher unhandlich sind. Und wer es gerne richtig teuer hätte, kann sich mal nach einem First-Folio-Faksimile umsehen. Schlussendlich soll die Lektüre von Shakespeare Spass machen – und das geht am besten, indem man ein Theaterstück aufgeführt sieht. Und dort benötigt man keine einzige der vielzähligen Ausgaben.

Die „William Shakespeare Lesechallenge 2014“ – Jetzt anmelden und mitlesen!

Good morrow und Herzlich Willkommen zur „William Shakespeare Lesechallenge 2014“! 

williamshakespearelesechallenge2014

Passend zum neuen Jahr und den zu dieser Zeit oftmals genommenen Vorsätzen lade ich euch herzlich zu dieser Lesechallenge für das Jahr 2014 ein. Das Ziel der Challenge ist schnell umrissen: Im Jahr 2014 sollen 6 Stücke William Shakespeares gelesen werden, daraus sollen drei Stücke aus den verschiedenen Kategorien Historie, Komödie und Tragödie gelesen werden. Drei weitere Stücke können frei aus den Kategorien ausgewählt werden.

Zum Beispiel: Ihr lest All’s Well That Ends Well, Hamlet, Romeo and Juliet, King John, MacBeth und A Midsummernight’s Dream. Dann habt ihr pro Kategorie mindestens ein Stück gelesen (All’s Well ist eine Komödie, Hamlet eine Tragödie, King John eine Historie); die restlichen drei Stücke sind dann frei wählbar (in diesem Fall wären es zwei weitere Tragödien [Romeo and Juliet und MacBeth] und eine weitere Komödie [A Midsummernight’s]).

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Stücke in der Originalsprache Englisch, einer vereinfachten Version  oder in einer Übersetzung gelesen werden. Re-reads sind erlaubt; bei der grossen Auswahl an Stücken wäre es jedoch schade, würdet ihr euch nicht das Vergnügen der Lektüre eines noch unbekannte(re)n Stückes entgehen lassen.

Als Belohnung für diejenigen unter euch, die die Challenge am Ende des Jahres (31. Dezember 2014) gemeistert haben, winkt eine kleine Überraschung. Ausserdem wird unter allen Teilnehmern, die die Challenge beenden, ein Amazon-Gutschein im Wert von 15 Euro verlost. Damit alles mit rechten Dingen zu und her geht, bitte ich euch, euch für die Challenge anzumelden (dies könnt ihr fortlaufend im Jahr 2014 tun). Anmelden könnt ihr euch ganz einfach mit einem Kommentar unter diesem Beitrag. Bedingung für das ‚Bestehen‘ der Challenge ist ausserdem, zu jedem gelesenen Buch einen Blogartikel zu verfassen oder ein Video zu drehen (oder mir per E-Mail einen Beitrag einzureichen, falls weder Blog noch Videokanal unterhalten wird). Dieser Beitrag muss jedoch nicht zwingend eine Rezension sein, auch künstlerische Umsetzungen des Gelesenen, allgemeinere Lesekommentare, Rezensionen zu gesehenen Aufführungen eines gelesenen Stückes usw. sind willkommen. Ich bitte euch, eure Beiträge jeweils als Link in einem Kommentar auf der Challengeseite zu hinterlassen. Dort sind auch alle aktuell teilnehmenden Lesenden aufgeführt.

Als kleine Hilfestellung findet ihr unten stehend eine Liste mit den Theaterstücken William Shakespeares (und einer Kategorisierung in Komödie, Tragödie und Historie). Bitte hinterlasst einen Kommentar, wenn ihr darin einen Fehler finden solltet. Wer noch rätselt, welche der vielen verfügbaren Shakespeare-Ausgaben er/sie lesen soll, findet hier eine kleine Übersicht.

  • All’s Well That Ends Well (1602) – Komödie
  • Antony and Cleopatra (1606) – Tragödie
  • As You Like It (1599) – Komödie
  • Comedy of Errors (1589) – Komödie
  • Coriolanus (1607) – Tragödie
  • Cymbeline (1609) – Tragödie
  • Hamlet (1600) – Tragödie
  • Henry IV, Part I (1597) – Historie
  • Henry IV, Part II (1597) – Historie
  • Henry V (1598) – Historie
  • Henry VI, Part I (1591) – Historie
  • Henry VI, Part II (1590) – Historie
  • Henry VI, Part III (1590) – Historie
  • Henry VIII (1612) – Historie
  • Julius Caesar (1599) – Tragödie
  • King John (1596) – Historie
  • King Lear (1605) – Tragödie
  • Love’s Labour’s Lost (1594) – Komödie
  • Macbeth (1605) – Tragödie
  • Measure for Measure (1604) – Komödie
  • Merchant of Venice (1596) – Komödie
  • Merry Wives of Windsor (1600) – Komödie
  • Midsummer Night’s Dream (1595) – Komödie
  • Much Ado about Nothing (1598) – Komödie
  • Othello (1604) – Tragödie
  • Pericles, Prince of Tyre (1608) – Komödie (nicht im ersten Folio enthalten)
  • Richard II (1595) – Historie
  • Richard III (1592) – Historie
  • Romeo and Juliet (1594) – Tragödie
  • Taming of the Shrew (1593) – Komödie
  • The Tempest (1611) – Komödie
  • Timon of Athens (1607) – Tragödie
  • Titus Andronicus (1593) – Tragödie
  • Troilus and Cressida (1601) – Komödie
  • Twelfth Night (1599) – Komödie
  • Two Gentlemen of Verona (1594) – Komödie
  • Two Noble Kinsmen (1634) – Tragikomödie (gemeinsame Autorenschaft mit John Fletcher)
  • Winter’s Tale (1610) – Komödie

Ich freue mich sehr auf eure Teilnahme. Bitte erzählt auch anderen Bloggern, Buchrezensenten, Leseverrückten, Englischaffinen usw. von der Challenge, damit ein höchst möglicher Austausch zwischen den Challengeteilnehmenden stattfinden kann. Den Challengebanner (oben) dürft ihr gerne mitnehmen und für eure Beiträge verwenden.

Bis dann –  farewell und adieu.